Leigh Creek

Das wechselhafte Seeklima in Adelaide zwang uns, diese Woche von einem anderen Flughafen aus unsere Testflüge fortzusetzen. Nicht nach Perth, Sydney, oder Melbourne – nein, in das entlegene Leigh Creek sind wir dem Outback Highway gefolgt, etwa 550 km nördlich von Adelaide. Hier gibt es Nichts, und davon sehr viel. Außerdem gutes Flugwetter.

Leigh Creek war eine Stadt der Mineure, die sich Anfang der 80er Jahre ihr eigenes Grab geschaufelt hat: Der Ort selbst musste dem riesigen Braunkohletagebau weichen, so dass der Ort 1982 einige Kilometer weiter neu errichtet wurde – und zwar großzügig, denn alles schien auf Expansion hinzudeuten. Bis in die 90er Jahre hatte das neue Leigh Creek tatsächlich noch über 2000 Einwohner. Doch nachdem sich die Braunkohleförderung nicht mehr rentierte, ging die Bevölkerung auf heute etwa 150 zurück (kaum 50 Menschen scheinen sich hier aber tatsächlich aufzuhalten). Der Ort gleicht einer Geisterstadt! Ein Kindergarten ohne Kinder. Eine großzügige Schule ohne Kinder. Riesige Spielplätze ohne Kinder. Die Schulbücherei öffnet nach Vereinbarung.

Auch die am Ort verlaufende, historische Eisenbahntrasse Port Augusta-Alice Springs, die im 19. Jahrhundert noch von kamelbespannten Zügen befahren wurde, liegt heute brach. [Ein fun fact am Rande: Australien ist bis heute ein wichtiger Kamelexporteur!]

In Leigh Creek sieht Australien genau so aus, wie man es sich schon immer vorgestellt hat: Völlige Leere, weite Landschaften, steppenartiges Buschland, riesige Spinnen und eine bemerkenswerte Topographie, wie z.B. der bemerkenswerte Mount Remarkable (961 m). Die australischen Kollegen bezeichnen diese Landschaft einfach als outbackish – das fasst es gut zusammen. Neben erhabenen Falken sieht man viele Kängurus mit Sprungfedern an den Füßen. Die meisten Kängurus legen sich jedoch an den Straßenrand, gerne zum längeren Verweilen, manche am Stück, manche in Teilen. Wildwechsel ist hier ein ziemliches Problem auf den Straßen – die Leute vermeiden daher Fahrten bei Dämmerung oder Dunkelheit. Wer zum wiederholten Male Stoßstange und Motorhaube nach einem Kängurueinschlag reparieren musste, der greift gerne zur roo-bar (nicht foo-bar! roo-bar – das kommt von: kangaroo). Das ist ein besonders großes und stabiles Gestänge, das Auto und Insassen schützen soll – siehe Bild.

 

Oben: roo-bar; Mitte: Das Nichts; unten: Tankstelle im 70s-Stil.

Der Flughafen von Leigh Creek liegt eine knappe Autominute vom Ort entfernt. Und auch hier finden wir: Nichts. Nur ein schrottiges Kleinflugzeug, das irgendwer zum Sterben hier abgestellt hat. Auch die Regularien sind überschaubar – man benutzt den Flughafen einfach. Kein Anmelden oder Registrieren. Niedrige Zäune gibt es zwar, doch lediglich um Kängurus auszusperren (jedoch ohne Erfolg – auf dem Vorfeld liegen einige Känguruköttel). Freundlicherweise haben wir trotzdem kurz bei Rob angerufen und gesagt, dass wir den Flughafen dann die nächsten Tagen benutzen werden. – “Alrighty, no worries.” Rob ist der Flughafenmanager und -betreiber von Leigh Creek – nebenberuflich.

Mittelpunkt des sozialen Lebens von Leigh Creek ist die Leigh Creek Tavern, die einzige Kneipe, das einzige Restaurant. Das einzige W-LAN. Hier kommt allabendlich der gesamte Ort zusammen: der Typ von der Tankstelle, die Frau von der Hotelrezeption, der Typ aus der Bäckerei, Rob, eine Handvoll Touristen, die Gastwirte selbst natürlich, und ein Pilot und ein paar suspekte Wissenschaftler aus dem fernen Adelaide. Die ganze Atmosphäre würde gut in einen Roman von Stephen King passen…

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